Nicht überall in Oberberg wird gleichermaßen intensiv Karneval gefeiert. Wir haben statistisch ermittelt, wie sich das Jeckentum verteilt.
OBERBERG. Wer zu Weiberfastnacht mit der Regionalbahn Richtung Gummersbach fährt, erlebt auf wenigen Kilometern ein erstaunliches Phänomen: In Engelskirchen ist die jecke Hölle los. In Ründeroth kann man aus dem Zugfenster noch ein munteres karnevalistisches Treiben beobachten. In Dieringhausen sieht man Kostümierte nur noch, wenn sie auf die Bahn in die Gegenrichtung warten. Und nach dem Aussteigen in Gummersbach könnte man glauben, es wäre ein ganz normaler Donnerstag.
Oberberg ist ein Grenzland zwischen Rheinland und Westfalen und konfessionell uneinheitlich. Dies ist der Grund für ein gewisses West-Ost-Gefälle an Jeckheit. Und dafür, dass sich tief im Osten mit Morsbach noch eine karnevalistische Hochburg findet. Alle Kommunen mit einer überwiegend katholischen Bevölkerung, deren Priester noch die Fastenzeit empfehlen, sind zuverlässig jeck. Also Engelskirchen, Lindlar, Morsbach und Wipperfürth.
In den evangelisch geprägten Städten und Gemeinden muss man differenzieren: In Gummersbach und Nümbrecht ist Karneval ein Fremdwort mittellateinischer Herkunft. In den Kommunen Marienheide und Bergneustadt mit ihren starken katholischen Kirchengemeinden gibt es zumindest einen beachtlichen Pfarrkarneval. Allen voran marschieren aber die Gemeinden, in denen ein engagierter Karnevalsverein die Bevölkerung mitreißt. Das ist so oben in Radevormwald und unten in Waldbröl (mit der 1946 gegründeten, also zweitältesten KG), im Wiehler Ortsteil Bielstein und im Ründerother Teil der Gemeinde Engelskirchen. Und vor allem im Reichshof, wo es sogar drei Vereine gibt und die Sitzungen der KG Rot-Weiß an die 1000 Narren ins Denklinger Festzelt locken.
Grundsätzlich lässt sich feststellen: Fröhlich feiern kann man auch ohne Karnevalsgesellschaft. Aber wenn es genug Jecken gibt, lässt die Gründung einer KG nicht lange auf sich warten. Für unsere karnevalistische Wetterkarte haben wir darum vier objektive Kriterien für die Intensität des karnevalistischen Treibens zugrunde gelegt: Gründungsjahr der örtlichen KG, Mitgliederzahl, Besucherzahl bei der größten Sitzung sowie die Zahl der Wagen und Fußgruppen beim Umzug.
Engelskirchen lag am Ende vorn. Die 1893 gegründeten Närrischen Oberberger sind die mit Abstand älteste oberbergische Karnevalsgesellschaft, vermutlich sogar die älteste auf der rechten Seite des Rheins. Auch mit der Zahl von 620 KG-Mitgliedern und 65 Zuggruppen und -wagen liegt Engelskirchen uneinholbar vorne. Nur in einer Hinsicht wurden die Närrischen Oberberger von der Lindlarer Nachbar-KG übertroffen, nämlich bei den Sitzungszuschauern. 1700 Weiber besuchen die Lindlarer Damensitzung, die zudem drei Mal stattfindet.
Sicher ist, dass die jecke Klimakarte in 50 Jahren wieder ganz anders aussehen wird. Der Karneval ist nicht aufzuhalten. Das beweisen die Botterblömchen aus Hückeswagen und die Brüchermühler Froschköppe, zwei Vereine, die erst im neuen Jahrtausend gegründet wurden